Thomas Hardegger

Am 20. Oktober 2019 wieder in den Nationalrat!

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Rede zum 1. Mai in Stäfa

Anfang 1886 – vor über 130 Jahren - hat die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai aufgerufen. Am 1. Mai, weil schon dreissig Jahre vorher in Australien eine Massendemonstration der Arbeiter stattgefunden hatte. Seither begehen wir jedes Jahr dieses historische Ereignis.

Viele Leute haben das Gefühl, dass 1.Mai-Anlässe überholt wären. Der Beweis des Zusammenhalts würde nichts bewirken und ein Mai-Bummel -eigenverantwortlich gestaltet - wäre ein grösserer Genuss. Ist das so?

Grusswort des Gemeindepräsidenten zum neuen Jahr

Wir stellen einen Rückzug der Menschen ins Private fest: Hometrainer statt Männerriege, Arena statt Stammtisch, Video statt Kino, Heimlieferservice statt Einkaufstour, Fernuniversität statt Volkshochschule, e-Mailverkehr statt Rendez-vous. Es ist bequemer, in der Wohnung zu bleiben; auch so können wir die Bedürfnisse nach Konsum, Genuss und Bildung befriedigen.

Dabei wird leicht vergessen, wie wichtig der gegenseitige Austausch unter Menschen für unser Wohlbefinden ist. Über ein Drittel der Rümlangerinnen und Rümlanger lebt in Einpersonenhaushalten. Auch diese müssten um Menschen zu treffen, die Wohnung zuerst einmal verlassen wollen. Zu oft warten wir dabei auf einen «einen Schupf», der uns aus unserer Trägheit reisst. Wenn wir einmal mit Freunden, Bekannten und Nachbarn zusammensitzen, sind wir froh, dass wir uns das Erlebnis nicht haben entgehen lassen. Motivieren wir uns doch gegenseitig, damit wir diesen «Schupf» recht oft erhalten und wir dann zum Beispiel die Gemeindeanlässe und die kulturellen Ereignisse im Dorf besuchen.

Wie viele Gelegenheiten es für die Einwohnerinnen und Einwohner in der Gemeinde gibt, andere zu treffen, zeigt das Buch «Das offene Gesicht einer Gemeinde» von René Gauch. Aufhänger der Publikation sind die vielen Plakate, die die Gemeinde von René Gauch über die Jahre hat gestalten lassen. Dabei ist das Buch nicht einfach eine Aneinanderreihung von Plakaten, vielmehr ist es eine Auseinandersetzung mit den Einwohnerinnen und Einwohnern, die sich zur Gemeinde, zur Graphik, zur Kunst, zum Zusammenleben und zu den vielen Veranstaltungen äussern. Das «offene Gesicht» einer Gemeinde zeigt ebenfalls, wie die Behörden ihre vielfältigen Aufgaben darstellen lassen. Sowohl über gesetzliche, hoheitliche und kulturelle Pflichten hat sich die Gemeinde regelmässig zu präsentieren und ein sorgfältig gestalteter Auftritt schafft Identität, sowohl für die Behörden wie für die Einwohnerinnen und Einwohner.

Mit Unterstützung der Walter Kaufmann Stiftung und einem Beitrag aus dem TAR-Fonds der Gemeinde konnte das eindrückliche Werk geschaffen werden. Eines der vielen gelungenen Plakate von René Gauch ziert denn auch das diesjährige Neujahrsblatt.

Fürs neue Jahr wünsche ich Ihnen gute Gesundheit, viele herzliche Begegnungen und viele liebevolle Schupfe, damit Sie an vielen Anlässen in der Gemeinde anzutreffen sind.

Rümlang, 1.1.2017

Thomas Hardegger

Ein Kalenderjahr neigt sich dem Ende zu - ein neues voller Erwartungen wartet bereits. Was bleibt vom alten Jahr - was wird uns auch zukünftig beschäftigen?

Auch bei uns in Rümlang haben sicher die Flüchtlingsströme das Problembewusstsein gegenüber den Menschen aus den Krisengebieten Syrien, Eritrea, Afghanistan und afrikanischen Ländern verändert. Bisher haben deren Nachbarstaaten Millionen von Flüchtlingen aufgenommen, denn die industrialisierte Welt hat sich bisher unfähig oder unwillig gezeigt, die Kriegsgebiete zu befrieden. Die Nachbarländer der Krisengebiete, selber arm genug, beklagen sich zurecht über die mangelnde Solidarität der reichen Länder. So befinden sich Millionen von Menschen auf abenteuerlichen Fluchtrouten, um Hunger, Krieg und Unterdrückung zu entfliehen – dorthin, wo es den Menschen scheinbar an nichts mangelt.

swissness – Erfolgsrezept oder überholte Mythen

(anlässich Bundesfeier 2013)

Die 1.August-Feier bietet ja gewöhnlich Gelegenheit, über die Herausforderungen unseres Landes und unserer Gesellschaft nachzudenken.

Welche schweizerischen Eigenheiten sind denn zukunftstauglich? - Heute sagt man denen neudeutsch „swissness“, das ist cooler und trendy.

In der letzten Session haben wir im Nationalrat die „swissness-Vorlage“ verabschiedet. Neu geregelt wurde, wann Produkte schweizerisch sind: Immerhin wurde festgestellt, dass ein Produkt mit der Qualitätsangabe „made in switzerland“ bis zu 40 Prozent teurer verkauft werden kann. Das Gesetz sagt darum, wieviel Schweiz in einem Produkt sein muss, damit dann Schweiz darauf stehen darf. Bei den Lebensmittel sind des 80% der Rohstoffe, bei den industriellen Produkten sind es 60% der Herstellungskosten.

Fazit ist also: Es kann im Gesetz nachgelesen werden, wann ein Produkt schweizerisch ist.

Wie sieht es aber in der Gesellschaft aus? Haben wir als Gesellschaft auch swissness-Qualitäten. Eigenschaften, die uns zukunftstauglicher machen? Oder sind es nur überholte Mythen, an denen wir uns festklammern?

Willkommen in der Gedankenwelt der Eintagsfliegen

Mein Notebook ist schon fast zwei Jahre alt. Zu alt, - zumindest für den Akku. Ihn zu ersetzen ist aber gar nicht einfach: Mein Computerverkäufer musste ihn irgendwo in Europa in einem kontinentalen Zentrallager anfordern und das dauerte drei Wochen, bis ich ihn dann für 120 Franken abholen konnte. Weder der Hersteller noch der Verkäufer rechnet heute damit, dass so ein Produkt repariert werden will, es wird gewöhnlich einfach durch ein neues ersetzt. Die Sendung „Espresso“ von Radio DRS hat unlängst darüber berichtet, dass einzelne Bestandteile in Elektrogeräten so konzipiert werden, dass sie nach kurzer Betriebszeit defekt werden, in der Regel nicht später als nach zwei Jahren. Mein Computer hat sich also an seine Vorbestimmung gehalten, - nur ich habe mich nicht damit abfinden können, einen gut funktionierenden Rechner einfach wegzuwerfen.

Die Lancierung von neuen Konsumartikeln in allen Lebensbereichen folgt in immer noch kürzeren Zeitabschnitten: Elektrogeräte, Lebensmittelprodukte – insbesondere Fertiggerichte, Kosmetika, Modeprodukte, Versicherungsangebote und unerklärbare Anlageinstrumente der Banken. Wir haben uns bereits daran gewöhnt, dass sich Produkte, die unseren Alltag mitbestimmen, in immer kürzerer Abfolge verändern und wir sie einfach ersetzen.

Auch die Inhalte unserer Gedankenwelt ersetzen wir schneller. Die Fülle an Informationen, die auf uns einwirken, nimmt tagtäglich zu. Durch die elektronischen Medien erleben wir sie unmittelbarer und sie werden kurzlebiger. Die fette Schlagzeile, die heute das Schicksal einer Familie weit weg beschreibt, trifft uns hautnah und lässt uns erzittern. Morgen schon erinnert sich niemand mehr daran, denn der Wintereinbruch im Calancatal schiebt die eingeschneiten Kühe in den Mittelpunkt.

Auch an die Schnelllebigkeit der Informationen haben wir uns, ohne es zu merken, bereits gewöhnt. Dabei will ich nicht leugnen, dass das Internet auch mithilft, wichtige Informationen für mehr Menschen der Erde zugänglich zu machen. Verschiedene Demokratiebewegungen wäre ohne Internet, Facebook, Twitter und ähnliches nicht möglich geworden. Den Wahrheitsgehalt der Nachricht aus der weiten Welt können wir zwar nicht überprüfen, aber immerhin gelangen auch unabhängige Berichte in alle Länder und zu allen Gesellschaften.

Bei Produkten und Informationen gewöhnen wir uns an den Eintagesrhythmus: Heute top – morgen flop. Offensichtlich werden nun auch unsere ethischen Werte durch die Wegwerfmentalität erfasst. Die Erklärung der Menschenrechte von 1789 hat über Jahrhunderte als Massstab für den Respekt der Gesellschaft gegenüber dem Einzelnen gegolten. Unsere humanitären Grundwerte haben wir in der Bundesverfassung verankert und Art. 7 formuliert unmissverständlich: „Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen.“ Heute werden die humanitären Grundwerte tagtäglich in Frage gestellt, wenn ich etwa an die gegenwärtigen Diskussionen um Flüchtlinge, Menschen mit Behinderung, Sozialhilfebedürftige oder die schwindende Solidarität zwischen jung und alt denke. Sie gelten nicht mehr als Fundament unserer Gesellschaft, sobald ein Sonderling mit einem Fehltritt für eine süffige Schlagzeile herhalten kann. Unsere schweizerische Identität ist direkt verbunden mit der jahrhundertelangen humanitären Tradition der Schweiz. Ich frage mich, ob wir als Gesellschaft bestehen können, wenn wir die Grundwerte so leichtfertig in Frage stellen und uns in die kurzlebige Welt der Eintagsfliegen fallen lassen.

Thomas Hardegger