Thomas Hardegger

Am 20. Oktober 2019 wieder in den Nationalrat!

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Die menschliche Tragödie um die zwei getöteten Kinder in Flaach ZH schreckt zu Recht auf. Und es muss abgeklärt werden, ob sie hätte verhindert werden können. Dabei steht im Vordergrund, solche Familiendramen wenn immer möglich zu verhindern. Sicher ist es aber der falsche Zeitpunkt, um mit vorschnellen Schuldzuweisungen die Stimmung gegen die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) und das System anzuheizen. Einen tragischen Kindsmord für Wahlkampf zu missbrauchen, ist geschmacklos und verantwortungslos.

 

Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass nicht das System mit den Fachbehörden für das Drama verantwortlich ist. Unvorhersehbare Tragödien hat es leider immer gegeben, und viele Fehlleistungen der früheren Laienbehörden, insbesondere solcher in kleinen Gemeinden mit oft überforderten Verantwortlichen, werden von den KESB-Kritikern nun leichtfertig weggewischt. Die damalige Nähe zu den Betroffenen wird idealisiert. Denn gerade diese Nähe hat oft eine notwendige Massnahme verhindert, in anderen Fällen aber auch zu unverhältnismässigen Überreaktionen geführt. Es ist wichtig, dass nicht - wie dies früher öfters geschehen ist - aus finanziellen Überlegungen eine notwendige Schutzmassnahme nicht durchgesetzt wird.

Die jungen KESB haben bestimmt noch Verbesserungspotenzial und dieses ist auch sorgfältig einzufordern. Eine Erkenntnis aus dem Vorfall ist sicher, dass die KESB auch in der Nacht und an Wochenenden für Betroffene, Angehörige und Beistände erreichbar sein müssen. Der Pikettdienst wurde von den Bürgerlichen bei der Beratung im Zürcher Kantonsrat aus Spargründen aus dem Gesetz gestrichen. So ist es folgerichtig, dass die SP-Kantonsratsfraktion nun eine Gesetzesanpassung und damit die Einführung des Pikettdienstes verlangt.

Was viel zu selten gesagt wird: Die Mitglieder der KESB üben eine ausserordentlich verantwortungsvolle Aufgabe aus und mangelnder Einsatz oder Seriosität ist bis jetzt noch nie nachgewiesen worden. Der angeheizte Medienhype und die Aufhetzung von sogenannten Wutbürgerinnen und Wutbürgern erschweren die Arbeit jedoch zusätzlich. Und leider sind einige Parteien in ihrer Wahlkampflogik mehr daran interessiert, Probleme mit Schuldzuweisungen auszuschlachten anstatt sie zu lösen. Dies hilft niemandem, am wenigsten den Betroffenen, die auf Schutz und Unterstützung angewiesen sind.