Thomas Hardegger

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Gastkommentar in der Ostschweiz am Sonntag vom 9.8.2015

Zugegeben, meine Forderung, auf alkoholischen Getränken die Kalorienmenge zu deklarieren, gehört
nicht zu den drängendsten Herausforderungen, die die Schweiz in den nächsten
Jahren zu lösen hat. Die Sicherung der Altersvorsorge 2020, die Energiewende und die Klärung
unserer Zusammenarbeit mit Europa sind wichtiger. Dennoch ist die Angabe der Kalorienmenge
auf alkoholischen Getränken aus folgenden Gründen eine sinnvolle Forderung:
Erstens: Als Konsument habe ich ein Anrecht auf Information. Wieso darf ich den Kaloriengehalt
von Süssmost wissen, nicht aber von saurem Most, von alkoholfreiem Bier schon,
von «richtigem» Bier aber nicht?


Zweitens: Bei den alkoholfreien Getränken hat die Angabe auf der Etikette auch Platz, und
der Kaloriengehalt ist den Produzenten bekannt. Dass damit mehr Aufwand generiert
würde, wie dies die Gegner anführen, ist geradezu zum Lachen.
Drittens: Viele Menschen versuchen abzunehmen. So kann ich beim Rivella zwischen rot
und blau wählen, ob ich das kalorienärmere oder -reichere Getränk vorziehe. Wenn ich die
Information nicht haben will, brauche ich sie auch nicht zu suchen. Schliesslich lese ich ja
nicht bei jedem Glas Milch die Kalorienangabe, obwohl sie auf jeder Packung steht.
Viertens: Die Angabe des Nährgehalts ist auch kein Warnhinweis, wie dies verschiedentlich
moniert worden ist. Und wenn sie so empfunden würde, ist der Aufdruck einer Zahl
nicht zu vergleichen mit den Bildern, die auf Zigarettenpackungen zu finden sind.
Fünftens: In der EU wird die Forderung bald umgesetzt. Da ist es sinnvoll, dass die Schweizer
Produzenten gleichziehen. Die exportorientierten Winzer und Brauer werden es ja sowieso
tun.
Wir müssen uns nichts vormachen. Die Kalorienangabe ist keine Massnahme gegen den
Alkoholmissbrauch, und auch die Wirkung gegen das allgemeine Übergewicht in der Bevölkerung
ist sehr beschränkt. Aber wenn sich nur einige wenige Personen aufgrund der Angabe bei der Gewichtskontrolle unterstützt
fühlen, entlasten sie damit das Gesundheitswesen.Sicher gäbe es Massnahmen, die die
Gesundheitskosten viel effizienter und in grossem Umfang entlasten würden, zum Beispiel
mit intensiveren Überprüfungen von Nutzen und Notwendigkeit von verordneten Medikamenten
oder bei der Qualitätssicherung von Therapien.
Die Gegner befürchten offensichtlich einen Rückgang beim Absatz. Nicht zu Unrecht, denn
die Wirkung des Alkohols hilft mit, dass mehr konsumiert wird. Schön wäre es ja, die Umsetzung
meiner Forderung würde dem übermässigen Alkoholgenuss entgegenwirken.
Sicher wäre mein Vorschlag sehr schnell und ohne grossen Aufwand realisierbar. Wieso
macht man nicht wenigstens das, was so einfach möglich ist?

Thomas Hardegger
ist Gesundheitspolitiker und
Zürcher SP-Nationalrat.